Letzte Aktualisierung: 28.04.2004
Wie die Partei Bündis 90/Die Grünen Öffentlichkeitsarbeit machen
Der Auszug aus dem Organisationshandbuch der Partei Bündnis 90/Die Grünen ist ein ausführlicher Leitfaden für alle die sich mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit befassen möchten bzw. Einsteiger sind.
Der bzw. die Pressesprecher/in
In jedem Kreisverband sollte es eine zuständige Person für die Pressearbeit geben, die entweder Mitglied im Vorstand oder der Fraktion zugehörig ist. Die/der Pressesprecher/in koordiniert den öffentlichen Auftritt in den Medien vor Ort. Die grünen Rats- bzw. Kreistagsmitglieder und die Vorstandsmitglieder koordinieren ihre Presseaktivitäten mit der zuständigen Person und arbeiten dieser bei Bedarf zu, alle öffentlichen Verlautbarungen aber werden mit der/m Pressesprecher/in abgeklärt.
Die für die Pressearbeit zuständige Person muss das Vertrauen aller politisch Aktiven im Kreisverband haben und ist darauf angewiesen, von diesen regelmäßig informiert und eingebunden zu werden. Sie formuliert Statements gegenüber den Medienvertreter/innen und muss dies im Einzelfall auch ohne eine vorangegangene Abstimmung tun können. Für eine offensive und positive Pressearbeit ist es unbedingt nötig, dass die Chemie zwischen Pressesprecher/in und den Aktiven stimmt.
Die/der Pressesprecher/in ist das Bindeglied zwischen Partei und der/m Kandidat/in einerseits und den Redaktionen andererseits und sorgt dafür, dass keine widersprüchlichen Aussagen an die Medien gelangen. Die zuständige Person sollte verinnerlichen, dass nicht ihr Name und Anliegen im Vordergrund steht, sondern der grüne Kreisverband, bzw. der Name z.B. der Spitzenkandidatin oder des Vorstandssprechers.
Die Person der/s Pressesprecher/in muss einige Voraussetzungen für ihr Amt mitbringen:
- Sie muss kommunikativ sein.
- Sie muss sicher mit Sprache und Grammatik umgehen und flott formulieren können.
- Sie hat genügend Zeit, denn nichts ist älter als die Nachricht von gestern.
- Sie ist auch tagsüber gut erreichbar und weiß, wie Redaktionen und Journalist/innen arbeiten.
Unumgänglicher Grundsatz für die Pressearbeit ist die Zuverlässigkeit der Information. Nicht auf jede Frage hat die/der Pressesprecher/in vielleicht aus dem Stegreif eine passende Antwort. Bevor sie ins Unverbindliche verfällt und oberflächliche oder gar falsche Antworten gibt, sollte sie zugeben, nicht informiert zu sein. Ein/e gute/r Pressesprecher/in wird einen Rückruf versprechen und die entsprechenden Fakten in der versprochenen Zeit zusammentragen. Dies ist ein alltäglicher Vorgang, der von den Journalist/innen akzeptiert wird. Dieser Rückruf muss allerdings unbedingt erfolgen – selbst wenn die gewünschte Information dann nicht gegeben werden kann, weiß die/der Journalist/in wenigstens, dass er seinen Artikel abschließen kann. Medienvertreter/innen arbeiten oft unter einem großen Zeitdruck. Sie sind daher für rasche Rückrufe dankbar. Zuverlässigkeit ist das A und O einer erfolgreichen Medienarbeit.
Hintergrund- und Exklusivinformationen
Oft haben gerade Lokalredakteur/innen kaum Zeit für gründliche eigene Recherchen. Hintergründe fehlen häufig, daher ist es sinnvoll, Unterlagen zugänglich zu machen und Hintergrundgespräche an-zubieten.
Es ist wichtig, keinen Journalist/innen dauerhaft mit Informationen bevorzugt zu behandeln. Die Chancengleichheit gilt für alle Redaktionen. Alle bekommen alle Informationen zur gleichen Zeit. Für eine/n Pressesprecher/in ist es selbstverständlich, nicht eine Redaktion gegen die andere auszuspielen, was auch für Anzeigen- und Wochenblätter gilt.
Trotzdem gibt es immer wieder Situationen, in denen eine Information nur einem Medium zugänglich gemacht werden soll. Dies läuft normalerweise als Deal ab: Die/der Journalist/in bekommt die Auskunft exklusiv gegen die Zusage, die Nachricht an einer herausragenden Stelle zu plazieren. Exklusive Informationen sollten jedoch ebenfalls nicht immer an die gleichen Journalist/innen gegeben werden.
Der Redaktionsbesuch
Redaktionsbesuche sind ein Muss der Pressearbeit. Ein Antrittsgespräch der/s Pressesprecher/in oder mit der/m Kandidat/in ist ein guter Anlass. Oft nutzen die Journalist/innen die Gelegenheit, sich Zusammenhänge und Sachverhalte erklären zu lassen. Wichtig ist jedoch bei diesen Besuchen, immer eine Meldung oder aktuelle Informationen mitzubringen. Dann ergeben sich auch Berichte aus den Redaktionsbesuchen. Redaktionsbesuche müssen vorher vereinbart sein. Sind mehrere Redaktionen vor Ort, sollten alle Redaktionen in einem bestimmten Zeitraum besucht werden.
Redaktionsbesuche sind im Vorfeld des Wahlkampfs ein gutes Mittel, um sich gegenseitig über die geplanten Aktivitäten und Berichterstattung der vorstehenden Wahlkampfzeit auszutauschen. Ein guter Zeitpunkt ist direkt nach Eurer Listenaufstellung / Kandidat/innen-Nominierung.
Die Pressekonferenz
Für eine Pressekonferenz braucht es einen wichtigen Anlass. Die Verlesung einer am vorherigen Abend geschriebenen Presseerklärung ist noch keine Pressekonferenz. Gut eignen sich Anlässe, wie der Besuch einer/s Abgeordneten, die Vorstellung von lokalen Kandidat/innen für Wahlen, die Präsentation schlüssiger Konzepte, die speziell der Presse kundgetan werden sollen ("Unsere Alternative zur Müllverbrennung: Die kalte Rotte").
In der Regel lädt man zu einer Pressekonferenz alle Zeitungen und weitere existierende Medien (Rundfunk, Regionalfernsehen etc.) der Umgebung ein. Leider erscheinen manche Zeitungen nur, wenn sie exklusiv eingeladen wurden. Wenn möglich sollte die Einladung zur Pressekonferenz einige Tage vorher erfolgen. Am Tag vorher sollten die wichtigsten Redaktionen telefonisch nachgefragt werden. Wenn nur zwei Zeitungen vor Ort existieren und eine der beiden diese Bedingung stellt, lohnt sich meist eher ein Redaktionsgespräch mit einer der beiden Zeitungen.
Die Pressekonferenz sollte in angenehmer Atmosphäre stattfinden: In einem schönen Café oder hellen, freundlichen Geschäftsräumen. Ihr benötigt eine Dekoration mit dem Logo von "BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, wie z.B. ein Plakat oder ein Transparent. Wichtig ist, dass eine Pressekonferenz in einem geschlossenen Raum stattfindet, so dass niemand stören kann und eine sachliche Atmosphäre aufkommen kann. Falls die Pressekonferenz an einem besonderen Ort oder Ereignis stattfindet, der einen guten Foto-Anlass hergibt, muss dazu unbedingt in der Einladung darauf hingewiesen werden (“Achtung: Fototermin!”) und man sollte zwei Tage vorher bei den Zeitungen nochmals darauf hinwei-sen, dass im Rahmen der Pressekonferenz ein Fototermin stattfinden kann.
Die Dauer der Pressekonferenz sollte vorher festgelegt sein. Empfehlenswert sind 30 bis 45 Minuten. Am Anfang ist meist ein Kurzreferat von ca. zehn Minuten Länge vorgesehen, durch welches in die Problematik eingeführt und der Standpunkt der GRÜNEN deutlich gemacht wird. Die restliche Zeit ist für Fragen der Journalist/innen und Redakteur/innen reserviert.
Auf einer gut vorbereiteten Konferenz bekommen Journalist/innen immer auch eine vorbereitete Pressemappe, die biografische Informationen zu den grünen “Darsteller/innen” und das Redemanuskript (sofern vorhanden) enthält. Hintergrundinformationen (Bundestagsfraktion, Landtag, Landesgeschäftsstelle, Kommunale Fraktionen) wie z.B. formulierte Anträge und Beschlüsse ergänzen die auf der Konferenz vorgestellten Standpunkte, außerdem werden in der Mappe alle vorgetragenen Zahlen und Daten noch einmal mit Quellenangaben aufgeführt, damit sich keine Fehler im Zahlenmaterial einschleichen.
Für die Pressekonferenz sollte sich vorher auch auf mögliche Gegenpositionen anderer Parteien vor-bereitet werden. Journalist/innen stellen gerade hierzu Ihre Fragen!
Die Pressekonferenz wird von der/m Pressesprecher/in moderiert, daneben sollten nicht mehr als höchsten zwei weitere Personen Statements abgeben. Alles weitere ist inhaltlich zu viel, wirkt schnell verwirrend und nützt keiner guten Berichterstattung. Die Moderation sollte keine Statements abgeben, sondern den Überblick bewahren, den Zeitplan beachten und die Konferenz leiten.
Es ist auf einen guten Zeitpunkt einer Pressekonferenz zu achten. Bei vielen Zeitungen ist die interne Redaktionssitzung täglich zu einem festen Termin (vormittags oder nachmittags) angesetzt. Daher ist es sinnvoll, sich eine Übersicht anzulegen, wann welche Zeitung Redaktionssitzungen hat, so dass diese Termine nicht miteinander kollidieren. Zeitpunkte gegen 10.00 Uhr und am frühen Nachmittag haben sich bewährt. Auf keinen Fall abends oder nach 16.00 Uhr - auch Journalist/innen wollen mal Feierabend haben und in die nächste Ausgabe kommt der Bericht auch nicht mehr rein.
Zur Pressekonferenz wird in jedem Fall eine fertige Pressemitteilung vorgelegt, die die wichtigsten Fakten und Positionen enthält. Die Pressemitteilung geht unmittelbar nach der Konferenz noch einmal über den Verteiler an alle Redaktionen.
Das Pressegespräch
Ein Pressegespräch findet immer im kleinen Kreis statt. Das Ziel ist die Vermittlung von Informationen, die nicht durch eine Pressemitteilung zu transportieren sind, aber auch nicht die Wertigkeit für eine Pressekonferenz haben. Es werden aber alle Redaktionen eingeladen. Das Pressegespräch ist die Informationsebene zwischen Pressemitteilung und Pressekonferenz.
Zu einem Pressegespräch müssen Themen und berichtenswerte Informationen vorbereitet sein, die schon in der Einladung angekündigt werden.
Das Hintergrundgespräch
Unterhalb der Ebene von Pressegespräch und -konferenz gehört das Hintergrundgespräch in den Bereich der informellen Informationsweitergabe. Beim Hintergrundgespräch vertieft man vorhandene Kontakte, fördert das wechselseitige Verständnis, klärt eventuelle Unstimmigkeiten oder Vorbehalte und es kann Anstöße für die Berichterstattung geben. Es ergibt sich aber nicht zwangsläufig ein Artikel aus solche einem Gespräch. Mit dem ausdrücklichen Wunsch verbunden, können hier Informationen, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt sind, weiter gegeben werden.
Das Interview
Unterschieden wird zwischen einem Meinungs- und einem Persönlichkeitsinterview. Interviewte müssen auf ein Interview fundiert vorbereitet sein. Spontan gemachte Äußerungen sollten vermieden werden. Die/der interviewende Journalistin beginnt und beendet, wählt das Thema und verfolgt mit den Fragestellungen bestimmte Ziele. Für die/den Journalist/in gilt: Grundsätzlich muss die interviewte Person immer des Ziel des Interviews und des Berichtes kennen.
Sie müssen wissen, welche Ziele die Sendung und der Bericht verfolgt. Es darf niemand vorgeführt werden. Leider sieht die Wirklichkeit anders aus. Daher gelten folgende Regeln für Interviews:
- Klärt mit der/m Journalist/in das Thema und die Druck- bzw. Sendezeit vorher ab.
- Vereinbart, dass das Interview vor dem Druck zur Korrektur vorgelegt wird. Dies ist üblich.
- Ein Interview sollte nur einer/m Journalist/in gegeben werden, der Euch schon vorher bekannt ist. Ist dies nicht der Fall, informiert Euch über die bisherigen Themen der/s Journalist/in.
Ein Interview ist erst dann journalistisch korrekt, wenn die Befragten die endgültige Fassung genehmigt haben. Dieses Recht auf Revision muss vorher von euch ausdrücklich vereinbart werden, da Journalist/innen sonst von einem Verzicht auf dieses Recht ausgehen. Es können ganze Sätze zurückgenommen oder neue hinzugefügt werden. Wird gegen das vereinbarte Revisionsrecht verstoßen, liegt ein juristisch relevanter Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht vor. Dies gilt im Grunde aber nur für die Printmedien. In Hörfunk und Fernsehen ist eine Korrektur dagegen nicht üblich und oft auch nicht möglich.
Bei Zeitungsinterviews werden Formulierungen oft modifiziert. Dabei darf der Sinn des Gesagten nicht entstellt werden. Auch die Fragestellungen dürfen geändert werden. Eine kosmetische Nachbehandlung des Interviews kann den Text unterhaltsamer und lesbarer machen.
Die Pressemitteilung
Eine Pressemitteilung des Kreisverbands kann für jede aktuelle Aktion von Partei und Fraktion mit lokalem Bezug herausgegeben werden. Pressemitteilungen brauchen einen Neuigkeitswert und müssen wertfrei sein. Die Wertung behält sich eine Redaktion selbst vor.
Für eine Pressemitteilung können Anlässe immer genutzt werden, bei einer guten, kontinuierlichen Pressearbeit ist es selbstverständlich, dass ihr zeitnah auf kommunale Anlässe mit Pressemitteilungen reagiert. Andererseits könnt der Kreisverband selbst auch einen passenden Anlass für eine Pressemitteilung initiieren.
Protokolle sind keine Pressemitteilungen! Es ist unmöglich, ein Protokoll oder eine andere Form von nicht aufgearbeitetem Text als Pressemitteilung abzugeben, es sei den als Anlage. Pressemitteilungen müssen verständlich formuliert sein, Interesse wecken und unterhalten.
Sieben “goldene” Regeln zur Pressemitteilung:
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1. In der Kürze liegt die Würze!
Niemand quält sich gern durch lange Texte. Erst recht nicht, wenn er unter Zeitdruck steht und das tun Journalist/innen ständig. Deshalb: Je kürzer eine Pressemitteilung, desto besser. Das Wichtigste zuerst: Die Redaktion kürzt von hinten! Im ersten Absatz werden die elementaren W-Fragen (Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum?) beantwortet.
2. Das Wichtigste immer an den Anfang!
Journalist/innen müssen das Wesentliche auf einen Blick erfassen können. Deswegen muss das Wichtigste immer an den in die Überschrift und wenn möglich, in den ersten Satz. Mindestens aber in den ersten Absatz.
3. Pressemitteilungen müssen verständlich sein!
Oberster Grundsatz: Nie etwas schreiben, was man selbst nicht voll und ganz verstanden hat. Aufbau und Stil sollten einfach und klar sein. Absätze strukturieren den Text und erleichtern die Lesbarkeit. Wichtig: Kurze Sätze, keine Passivkonstruktionen. Aktive Sätze sind informativer und lesen sich besser. Keine Abkürzungen (bzw. nur dann, wenn sie vorher erklärt wurden), auch Fremdwörter nur, wenn sie sich absolut nicht vermeiden lassen.
4. Pressemitteilungen müssen vollständig sein!
Unvollständige Pressemitteilungen zwingen Journalistinnen zum Nachfragen. Das ist ärgerlich und kostet Zeit. Deswegen muss der gelieferte Text alle Fragen “Wer macht was, wann, wo, warum” klar beantworten. Die Fragen sind in der Reihenfolge ihrer abnehmenden Wichtigkeit zu beantworten. Sollten die Redakteur/innen zusätzliche Informationen brauchen oder Lust auf das Thema bekommen haben, wird er/sie sich melden. Deswegen: Kontaktadresse und Telefonnummer, evtl. auch Privatnummer angeben und natürlich auch erreichbar sein!
5. Namen, Daten, Fakten müssen stimmen! Pressemitteilungen, in denen die Fakten nicht stimmen, sind fatal! Das A und O einer guten Zusammenarbeit sind sachlich richtige Informationen. Journalist/innen stehen mit ihrem Namen für Ihre Veröffentlichungen, selbst wenn sie sich dabei auf Pressemitteilungen beziehen. Sollte eine Journalist/in falschen Angaben aufsitzen, wird er/sie sich schön bedanken. Eine Pressemitteilung, die den Eindruck erweckt, dass etwas so nicht stimmt, wird kaum veröffentlicht werden. Sachliche Richtigkeit fängt beim richtig geschriebenen Namen an! (Motto: Wenn schon Namen oder Titel nicht stimmen, kann es mit dem Rest des Textes auch nicht weit her sein). Das gilt auch für Namen von konkurrierenden Parteien.
6. Das Zitat
Ein treffendes, kurzes Zitat hat hohe Abdruckchancen. Behauptungen oder Fakten müssen immer mit einer Quellenangabe versehen sein. Möglichkeiten: direktes Zitat oder indirekte Rede.
7. Aktualität
Pressemitteilungen von gestern sind Schnee von gestern. Sie sollten so schnell und so früh wie möglich in den Redaktionen landen. Der ideale Zeitpunkt hängt von der jeweiligen Redaktion ab. Am besten bei den zuständigen Redakteur/innen erkundigen!
Formaler Aufbau der Pressemitteilung:
- Es ist auf den ersten Blick erkennbar, wer der Herausgeber der Mitteilung ist – mit Adresse und Telefonnummer. >li>Die Pressemitteilung enthält ein Datum und den Hinweis darauf, dass es sich um eine Pressemitteilung handelt!
- Die Pressemitteilung wird mit einer Schlagzeile überschrieben, die/der Journalist/in die thematische Einordnung ermöglicht. Die Headline ist in fetter Schrift verfasst.
- Der Zeilenabstand im Text ist nicht zu eng, am besten anderthalb- bis zweizeilig und mit einer schnörkellosen 12-Punkt-Schrift.
- Der Abstand zum rechten Seitenrand beträgt 4-5 cm, damit sich Journalist/innen direkt Notizen machen können.
- Die Pressemitteilung ist nur in Ausnahmefällen länger als eine DIN A4 Seite. Ist dies der Fall, dann muss auf die erste Seite unbedingt ein Hinweis, dass noch eine weitere Seite folgt.
Es gibt verschiedene Arten einer Pressemitteilung:
- Die Ankündigung ist der Hinweis auf eine Veranstaltung bzw. Aktion. Wesentlicher Bestandteil der Ankündigung ist die Beantwortung der W-Fragen. Der ideale Zeitpunkt für die Ankündigung ist eine Woche vor der Veranstaltung. Der Hinweis auf die Einladung zur Berichterstattung darf niemals fehlen. Habt Ihr Prominente zu Gast? Schickt ein Pressefoto per Post oder Email dazu!
- Die Meldung gibt eine wertfreie Kurzinformation über einen Tatbestand. Auch die Meldung orientiert sich in erster Linie an den sechs W-Fragen.
- Die Nachricht ist eine wertfreie Tatsacheninformation. Sie beinhaltet eine Darstellung der Zusammenhänge und orientiert sich an den sechs W-Fragen. Am Beginn der Nachricht steht ein kurzer Vorspann (Lead), der die wichtigsten Aussagen der Nachricht prägnant zusammenfasst. Das Lead muss Interesse wecken und zum weiterlesen animieren.
- Der Bericht ist eine längere Pressemitteilung, die ausführlich über eine Veranstaltung oder Aktion berichtet.
Der Leserbrief
Leserbriefe werden von der Öffentlichkeit sehr beachtet. Ein/e Pressesprecher/in sollte selbst keine Leserbriefe schreiben, aber sie sollte Dritte dazu animieren. Leserbriefe aktiver Politiker/innen werden oft von den Redaktionen abgelehnt und statt dessen als Pressemitteilung veröffentlicht. Wenn ihr glaubt, zu einer bestimmten Berichterstattung Stellung beziehen zu müssen, bittet Freunde und Bekannte um einen Leserbrief. Organisierte Leserbriefaktionen größeren Stils sollten jedoch nicht veranstaltet werden.
Leserbriefe sollten kurz gehalten sein, um sinnentstellende Kürzungen durch die Redaktion zu vermeiden. Außerdem erhöht dies die Chance auf Abdruck. Sie beziehen sich auf eine bestimmte Berichterstattung in der Zeitung, an den Ihr den Leserbrief richtet – nie auf allgemeine Themen. Sie sollten nicht persönlich verletzend sein. Ironie wird nur selten verstanden und sollte daher vermieden werden.
Der Fototermin
Viele Aktionen lassen sich am besten durch ein Bild dokumentieren. Geeignete Anlässe sind Sachspenden oder Zuschüsse, die z.B: für soziale Einrichtungen oder Umwelt-Projekte überreicht werden. Auch Besichtigungen mit Landes- oder Bundesprominenz sollten immer als Foto-Termin der Presse angekündigt werden.
In Wahlkampfzeiten ist es sicher schwieriger, die/den Pressefotograf/in zu einem Termin zu bekommen. Dennoch sollte jede Aktion auch Bilder bieten. Die Aufmerksamkeit der/s Leser/in wird durch Bildberichte erheblich gesteigert. Mit einer digitalen Kamera lassen sich Bilder ohne zeitliche Verzögerung auch selbst anfertigen und noch am selben Tag an die Redaktionen übermitteln. Zum Bild gehört eine kurze Pressemitteilung in Form einer Meldung, die dokumentiert, was auf dem Bild zu sehen ist.
Gestellte Gruppenfotos sind nicht attraktiv. Spannender sind unsere politischen Akteure in Bewegung. Die Bewegung erfolgt im Bild von links nach rechts!
Pressefotos
Viele Redaktionen sind froh, wenn Ihr von Euren prominenten Gästen (Landes- und Bundesebene) oder auch von den kommunalen Abgeordneten Pressefotos zum freien Abdruck zur Verfügung stellt. Was nützt aber das beste Foto, wenn es wegen einer Kleinigkeiten vielleicht nicht abgedruckt wird.
Hier einige Tipps, was bei Pressefotos zu beachten ist.
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1. Qualität:
Nicht am falschen Ende sparen, lieber zu einer/m professionellen Fotograf/in zu gehen. Nur kontrastreiche Fotos verwenden. Vor allem für Flugblätter, Programme und erst recht Plakate. Gebraucht werden in der Regel nur Schwarzweiß-Fotos, Hochglanz, gängiges Format ca. 10x15 cm.
Tipp: Falls Ihr Kontakt zu Presse-Fotograf/innen habt, so geht am besten dort hin. Studio-Fotograf/innen lieben oftmals verspielte, farbige Hintergründe oder experimentieren mit Weich-zeichnern und Filtern. Achtet darauf, dass Ihr einen ruhigen, hellen Hintergrund habt.
2. Copyright:
Fotos sind urheberrechtlich geschützt. Es ist darum wichtig, beim Preis auch gleich die Rechte am kostenlosen Abdruck auszuhandeln. Übrigens muss beim Abdruck immer die/der Fotograf/in genannt werden, das gilt für die Tageszeitung ebenso wie für die grüne Mitgliederzeitschrift, für Flugblätter und Plakate usw. Entweder im Impressum oder direkt neben dem Foto.
3. Beschriftung:
Ein Horror für jede Redaktion und jedes Archiv sind Fotos ohne Angaben. Gerade in Wahlkampfzeiten flattern genug Portraits der Kandidat/innen aller Parteien herum. Um zu vermeiden, dass ein Abdruck vielleicht scheitert, nur weil die Person nicht zuzuordnen oder unbekannt ist, gebt Pressefotos niemals" blanko" heraus. Vergesst auch nicht das Jahr der Aufnahme. Es erhöht die Chance, dass veraltete Fotos nicht erscheinen und nach einem aktuelleren nachfragt wird.
4. Versand.
Wenn Ihr Fotos verschickt, achtet auf einen festen Umschlag oder eine feste Pappe und den Hin-weis auf dem Umschlag "Pressefotos - bitte nicht knicken". Eselsohren, Falten, Risse und vom Regen durchnässte Umschlage senken die Verwendbarkeit von Bildern enorm. Am einfachsten ist es natürlich, wenn Ihr genug Material habt, um eine Pressemappe zu bestücken und Ihr das Foto dazu legen könnt (zum Abdruck der Rede, dem Lebenslauf, der Vorstellung, Informationsmaterial, Veranstaltungsankündigung).
5. Per eMail:
Bitte unbedingt auf das Format achten. Niedrig auflösende Formate wie .jpg oder .gif-Dateien sind ungeeignet. Am besten ist Tiff-Format.
Hörfunk und Fernsehen
Auf kommunalpolitischer Ebene spielt das Fernsehen nur selten, aber häufig der Lokalfunk eine wesentliche Rolle. Die Möglichkeit zur Selbstdarstellung ist nirgendwo größer. Lokalradios haben ihre Prime-Time morgens zwischen sechs und neun Uhr. Die Nachmittagsquoten liegen weit darunter. O-Töne sollten daher in der Regel früh am Morgen vorliegen.
Der wichtigste Vorteil des Lokalfunks ist die Aktualität. Radiojournalist/innen arbeiten nach dem Motto "je aktueller, desto besser". Mehr als ihre Kolleg/innen aus dem Print-Bereich sind sie dem Zeitdruck ausgesetzt, Themen und Nachrichten auf die Sekunde genau zu platzieren.
Hörfunkarbeit setzt daher ein gutes Timing voraus. Euer geplanter Ablauf einer Aktion der GRÜNEN vor Ort und die/der Ansprechpartner/in müssen der Rundfunk-Redaktion frühzeitig mitgeteilt werden – etwa zwei bis drei Wochen vor dem Termin. Unverzichtbar ist eine Telefonnummer unter der/die Ansprechpartner/in unter Umständen schon während der Veranstaltung für O-Töne zu erreichen ist.
Alle Pressemitteilungen werden selbstverständlich auch den lokalen Rundfunksendern zugestellt. Auf der Grundlage dieser Daten entscheidet die/der verantwortliche Redakteur/in, ob er/sie einen O-Ton anfragt oder die Meldung in den Nachrichten verlesen lässt.
Stichwort O-Ton:
Griffige, witzige Formulierungen erhöhen den Unterhaltungswert. Anfragen nach einem Interview sollten umgehend geklärt werden: Das Telefon ist für die Hörfunkjournalist/innen das wesentlichste Kommunikationsmittel. Wer nach der Herausgabe einer Pressemitteilung nicht telefonisch zu erreichen ist, findet im Hörfunk nicht statt.
Falls es doch mal ein Fernsehinterview sein sollte, unbedingt auf passenden Hintergrund achten (z.B. thematisch passendes Plakat) und keine zu dunkle Kleidung tragen. Fernsehuntauglich sind kleingemusterte und changierende Stoffe.
Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen
Bei der Planung einer Veranstaltung sollte zuerst überlegt werden, zu welcher Veranstaltungsart die Botschaft, die vermittelt werden soll, oder der gegebene Anlass am ehesten passt. Anlässe können z.B. sein: Informationsvermittlung, Imagepflege, Öffentlichkeitspflege, Pflege des grünen Umfelds, Belohnung der eigenen Klientel z.B. für beharrliches Engagement im Wahlkampf etc.).
Hier deshalb eine grobe Untergliederung der Veranstaltungsformen:
sind in erster Linie informationsorientiert. Sie lassen sich in öffentlichkeitsorientierte Veranstaltungen (z.B. Vortrag mit anschließender Diskussion, Podiumsdiskussion, Talkshow, Symposium, Tagung, Kongress) und multiplikatoren-orientierte Veranstaltungen (z.B. Gesprächskreise mit Freunden oder einer bestimmten Zielgruppe) untergliedern
sind erlebnisorientiert. Durch das Ansprechen von Sinnen und Gefühlen soll sich eine Information nachhaltig einprägen. Außerdem dienen Events in hohem Maße der Imagepflege. Sie lassen sich untergliedern in:
- öffentlichkeitsorientierte Events
(z.B. Camel Trophy oder das 24-Std.-Glotze-Gucken von Abge-ordneten) und - binnenorientierte Events
z.B. Wahlkampfauftakt-Party für Grüne und Grünnahe) - Incentives ...
dienen der offensiven Pflege von Öffentlichkeitsträgern und Multiplikatoren (z.B. Pressetouren der Fraktion mit Journalisten, ausgefallene Aktionen, wie Gletscher-Picknick in der Schweiz oder Walpurgisnacht in Schweden). Es geht aber auch anders: z.B. Öko-Weinprobe oder Vollwertweihnachtsessen.
Grundregeln
Egal, für welche der drei Veranstaltungsformen man sich entscheidet, ein paar grundlegende Regeln müssen beachtet werden:
JedeR sollte nur da auftauchen, wo er auch glaubhaft wirkt (falsch wäre z.B. ein Besuch von Rudolf Scharping bei einer Techno-Party).
Die Protagonist/innen sollten Diskursfähigkeit demonstrieren. Manchmal ist es aber auch sinnvoll, entschieden Position zu beziehen. So kann die Diskussion zwischen einer/einem GrüneN und einer/einem Wirtschaftsvertreter/in sehr fruchtbar sein, weil zum einen der Diskurs stattfindet, zum anderen aber auch die grüne Wirtschaftspolitik dargestellt wird. Worttreue ist ebenfalls wichtig: Eventuell nachfolgende Aktivitäten dürfen das bei der ersten Veranstaltung Gesagte nicht in Frage stellen.
Es ist notwendig, einen Spannungsbogen zu erzeugen, um die Veranstaltung nicht gleichförmig flach - und damit langweilig - ablaufen zu lassen.
Durchführung
Zur Erleichterung Eurer Veranstaltungsplanung und Durchführung gibt es für Euch eine Checkliste für Veranstaltungen. Checkliste für Veranstaltungen
Weitere Infos zum Thema:
Veranstaltungen punktgenau planen
Die Checkliste ist aus dem Organisationshandbuch der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Umfangreich werden die Daten für die Vorbereitung einer Veranstaltung aufgeführt.





